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Revolutionäre Weggefährtenschaft zum Spießer-Gipfel

Im November 2018 wurde in Freiburg eine junge Frau von mehreren Ayslbewerbern vergewaltigt. Woraufhin die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung dringenden Handlungsbedarf erkannte. Und zwar in Form einer umfassenden Sexualaufklärung von Asylbewerbern. Die schon in Erstaufnahmelagern, also gleich nach der Ankunft in Deutschland beginnen müsste. Wobei die Integrationsbeauftragte Männer ins Auge fasste, die aus Ländern stammen, in denen Frauenhass als normalste Sache der Welt praktiziert wird. Zu glauben ausgerechnet diesen Männern mit erhobenem Zeigefinger zwischengeschlechtliche Sitten beibringen zu können, ist ausgesprochen realitätsfern. Aber, “ist dies schon Tollheit, so hat es doch Methode.” Entspringen doch die Beweggründe für diese unsinnige Initiative einem geistigen Gesellschaftsklima, das als Spießertum bezeichnet werden muss.

Wer Spießer interessant findet, und das sind sie zweifellos, kann sich von Friedrich Nietzsche

ihre verschrobene, erstaunlich modern anmutende Innenarchitektur zeigen lassen. Am Schluss zur Vorrede seines Zarathustra begegnet der Lehrende den “verächtlichsten Geschöpfen” unter der Sonne, den “letzten Menschen”. Die keinerlei Ambitionen erkennen lassen und nichts anderes erreichen wollen, als einfach nur so wie alle anderen zu sein. Menschen, die ihr höchstes Glück in einer dümmlichen Selbstzufriedenheit finden und ihre Dummheit mit geistiger Höchstleistung verwechseln. Nietzsches letzte Menschen sind sogar stolz auf ihre Unbelehrbarkeit. Ihre Augen brauchen sie nicht zum Sehen, vielmehr aber zu einer Geste mit vermeintlich bedeutungstiefer geistiger Signalwirkung. Indem sie bei allem was sie in ihrer Beschränktheit von sich geben, immerzu zustimmungsheischend blinzeln.

Treffender kann man Spießer nicht beschreiben. Natürlich wird man nicht erwarten dürfen, dass deutsche Alt-68er und ihre Nachkommen in dieser  Charakterisierung ihr Spiegelbild erkennen könnten. Zumal Nietzsche zu Denkern gehört, die ihrem Erwartungshorizont seit jeher diametral entgegengesetzt sind. Zu behaupten, dass sie ein Spießertum hervorgebracht hätten, das in seiner erschreckenden Stumpfsinnigkeit in der Geschichte deutscher Spießereien einmalig ist, wird sie zwar ein wenig aus der Ruhe, aber nicht auf die Palme bringen. Dazu fehlt es inzwischen ja auch an körperlicher Gelenkigkeit.

Zustimmungsheischend blinzelnd würden sie jedoch geltend machen gar keine Spießer sein zu können. Weil es erwiesenermaßen doch sie gewesen wären, die vor einem halben Jahrhundert heldenhaft das Spießertum der Adenauer-Generation  abgeschafft, und Deutschland geistig erneuert hätten.

Aber nur weil die Leute damals HB rauchten, ihre Autos auf Hochglanz polierten, Eierlikör tranken,

und Spitzendeckchen mit Plastikblumen auf den Tischen hatten, waren sie keine Spießer. Und auch Adenauer selbst war ganz bestimmt keiner. Zwar gab es jede Menge unverbesserlicher alter Nazis, die trotz ihrer Vergangenheit in den 50er und 60er Jahren Karrieren machten. Auch sonst war oft zu hören, dass es dieses oder jenes “unterm Hitler” nicht gegeben hätte. Eine beschauliche Spießerei war die alte Bundesrepublik jedoch nicht. Dafür war der Alltag in Deutschland und nicht nur in Deutschland viel zu anstrengend.

Dennoch waren die 60er Jahre eine Epoche anhaltender zivilgesellschaftlicher Proteste. Die in Amerika ihren Anfang nahmen und später auf Frankreich, Italien, Deutschland und die Tschechoslowakei übergriffen. Die “Studentenbewegung”, wie sie auch genannt wurde, protestierte mit ihren Aufmärschen nicht nur gegen den Vietnamkrieg. Sie forderte eine

radikale Demokratisierung westlicher Gesellschaften und die Befreiung aller Menschen vom Joch kapitalistischer Ausbeutung. Die jungen Menschen verknüpften leidenschaftliche, fanatische, ja beinahe schon religiös anmutende Heilserwartungen mit restlos allem, was auch nur annäherungsweise irgendwie marxistisch, besser aber so weit links wie möglich einzustufen war. Und aus eben dieser ehemals stramm linken Weggefährtenschaft ist ein neues deutsches

Spießertum entstanden. Wobei zunächst einmal zu klären wäre, worin eigentlich der Attraktionswert einer linken Gesinnung bestand und immer noch besteht.

 

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Als Faschismus zum Antifaschismus wurde – Folgen eines genialen linguistischen Täuschungsmanövers

Die Studentenbewegung, um bei diesem Begriff zu bleiben, hatte sich dem Antifaschismus verschrieben. Aber was ist Faschismus? Faschismus ist wenn in einer Zivilgesellschaft mittels militärischer Organisationsformen und kriegerischer Rücksichtslosigkeit, die vollständige Vernichtung, bzw. Unterwerfung eines Gegners vorangetrieben wird. Wer geneigt ist dieser Definition zuzustimmen wird erkennen müssen, dass nicht Mussolini oder Hitler, sondern Lenin der erste Faschist war.

Der ja in seinen berüchtigten “Dekreten über den roten Terror” von 1918 aus seinem Vernichtungswillen keinen Hehl machte. Sein massenmörderischer Faschismus wurde unter Stalin zu einem regelrechten Völkermord-Faschismus gesteigert. Bei dessen Säuberungen neuesten Erkenntnissen zufolge über 100 Millionen Menschen grausamst zu Tode kamen. Aber so wie man Stalin für seine Völker-Mordlust nicht genug verachten kann, muss man ihn für eines der erfolgreichsten linguistischen Täuschungsmanöver aller Zeiten bewundern.

Geschickt nutzte Stalin den “vaterländischen Krieg”, dem ihn Hitlers Angriff aufnötigte, zur Gelegenheit um der ganzen Welt seinen genozidalen Faschismus als Antifaschismus anzupreisen. Das war wirklich genial! Damit war eine bis heute gültige Frontlinie zwischen Gut und Böse gezogen. Jegliche Kritik an Kommunismus oder Sozialismus konnte von nun an triumphierend als Faschismus verschrien werden. Man brauchte nur noch den angefeuchteten Finger in die Luft halten, um zu prüfen ob der Wind von links oder rechts wehte. So konnte einwandfrei zwischen Faschismus und Antifaschismus unterschieden werden. Dieser Logik zufolge war es nur konsequent, dass auch die parlamentarische Demokratie als Fortsetzung des Faschismus mit anderen Mitteln kritisiert und bekämpft wurde. Umgekehrt konnte aufgrund Stalins linguistischer Falschmünzerei Protest und

und kämpferischer Widerstand gegen “herrschende Verhältnisse” als Antifaschismus legitimiert werden. Heute wird selbst jene zerstörerische Wut, die sich gelegentlich an allem austobt was funktioniert, als lupenreiner Antifaschismus definiert.

Womit aber noch nicht alles gesagt ist. Kann doch aus Stalins Täuschungsmanöver das ethische Fundament für ein geschichtliches Sendungsbewusstsein zu den erhabensten Zielen der Menschheit hergeleitet werden. Im Blick linker Weggefährtenschaft ist Rechts Verrat an den wahren Zielen der Menschheit. Gleichbedeutend mit schlecht, dumm, ungerecht, rückständig, egoistisch, inhuman usw. Links ist dagegen der Weg zum Jenseits aller ausbeuterischer Fesseln und wird mit gut, intelligent, gerecht, fortschrittlich, human usw. gleichgesetzt. Da links-gute Weggefährtenschaft den Stolz auf moralische Unbelehrbarkeit zur Voraussetzung hat, verbleibt auch der Glaube an die “gute” Sache unerschütterlich. Ist die Leugnung des Holocaust schon seit langem und völlig zu Recht strafbar, hat die Linke vor Stalins und Maos Völkerschlächtereien immer noch enorme Berührungsängste. Selbst Sarte wollte davon nichts wissen. Unter aufgeklärten Linken ist es immer noch üblich, die infragekommenden Verbrechen achselzuckend als blosse Ausrutscher auf dem Weg zum großen Menschheitsziel zu bedauern.

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Grablegung der Radikalität als Spießer-Heldentat

Im März 1968 war der revolutionär aufgeputschte deutsche “Studentenführer” Rudi Dutschke an der Prager Karlsuniversität zu einer Vorlesung eingeladen. Es war die Zeit des Prager Frühlings, als Reformbemühungen der kommunistischen Partei den Menschen zu mehr Freiheit und Wohlstand in einem “Sozialismus mit menschlichem Anlitz” verhelfen wollten. Allerdings wollten die Menschen nach zwanzig Jahren Kommunismus von den Errungenschaften des Sozialismus nichts mehr wissen. Und nun redete ihnen ein Wohlstandsjüngling aus einem Land, das vor nicht allzu langer Zeit in Prag einmarschiert war, von den Segnungen des wahren, stalinistischen, Sozialismus. Die Rede selbst war grauenhaft. Dutschke war offenbar nicht nur mit dem herrschenden “System”, sondern auch mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß. So gut es ging

versuchte er seine Zuhörer davon zu überzeugen, “…dass das kapitalistische System von Demokratie keine Alternative zur stalinistischen Demokratieform sein kann.”

Ob Dutschke nach seiner Rede zustimmungsheischend blinzelte ist nicht überliefert. Als dann im August 1968 Panzer des sowjetischen “Brudervolks” das Prager Straßenbild dominierten, hielt sich die Empörung der revolutionären Linken auffallend in Grenzen. Die allerdings schon damals als Weggefährtenschaft noch junger Spießer unterwegs zum Heldentum letzter deutscher Menschen war. Das nunmehr mit fatalen Folgen fest etabliert ist.

Früher war Radikalität ein Habitus in Kunst und Philosophie. Radikalität ist in diesen Bereichen ein gesellschaftliches Überlebensmittel. Sobald es sie nicht mehr gibt, wird die Kultur einer Gesellschaft zum Schlafmittel. Tatsächlich dirigieren Linksliberalismus, politische Korrektheit, Feminismus, Antifa, Gutmenschentum, Antirassismus, Klima-Aktivismus usw. ein gesellschaftspolitisches Schnarchkonzert. Und in dem sich diejenigen  zustimmungsheischend zublinzeln, die in dieser Gesinnungsgemeinschaft ihre moralisch-geistige Heimat gefunden haben. Womit alles ein gutes Ende haben könnte. Radikalität lässt sich aber nicht einfach abschaffen. Falls sie aus Kunst und Kultur vertrieben wird, breitet sie sich anderswo aus. Wodurch Deutschland zum zweigeteilten Totenland wurde. Auf der einen Seite schreien Rechtsradikale und Fremdenhasser. Auf der anderen fordern Empörte eine bessere Welt. Dazwischen ist nichts.