All you need is love, love, love is all you need…The Beatles

I had rather hear my dog bark at a crow than a man swear he loves me. Shakespeare, (Much Ado About Nothing – Act 1, Scene 1)

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Annäherung an eine begehrte Sache mit begrenzter Haltbarkeit

Überall und unentwegt wird Liebe als höchstes Glück auf Erden angestrebt. Allerdings dürfte für die meisten im Rückblick die Liebe als größte Enttäuschung des Lebens erscheinen. Dabei ist sie ja erfahrungsgemäß eine ohnehin schon ziemlich rasch vorübergehende Angelegenheit. Oft hat sie sich schon längst verflüchtigt, während einmal eingegangene Zweisamkeiten als spukhaft anmutende Überbleibsel eines verflossenen Glücks noch fortbestehen. Daß Liebe im Leben kein Dauergast, und stets nur auf Durchreise ist, ist selbst Gott nicht verborgen geblieben. Wird doch im gebieterischen “bis der Tod euch scheidet” nicht die Dauer der Liebe beschworen, sondern der Fortbestand einer Lebensgemeinschaft eingefordert. Die jedoch für den Fortbestand der Liebe so hilfreich ist wie eine Kiste JOHNNY WALKER für die Besatzung eines dahintreibenden Rettungsboots mit knapp werdenden Wasservorräten.

Einander Liebende treten gemeinhin als Paare auf. Die in eben dieser sozialen Form ihren Gefühlen einen Inhalt geben. Und wenn frisch verliebte Paare eine Urlaubreise buchen, oder zusammen einen Fernseher kaufen, manifestiert sich in solchen Aktivitäten der Beginn einer Lebenspartnerschaft. Nun liegt es aber zwangsläufig in der Natur der Sache, daß mit dem Beginn einer solchen Beziehung gleichzeitig auch allerlei Konflikte beginnen. Beim ersten

gemeinsamen Urlaub mag vielleicht nicht alles so sein wie erhofft, und der gemeinsam gekaufte Fernseher kann Meinungsverschiedenheiten bei der Programmauswahl hervorrufen. Uneinigkeiten darüber ob es am nächsten Tag schon wieder an den Strand gehen soll, oder ob zur Abwechslung ein Tagesausflug nicht interessanter wäre, ob es im Fernseher unbedingt Fußball sein muss wenn gerade eine Flüchtlings-Doku kommt, sind natürlich Belanglosigkeiten. Die am Anfang einer Beziehung nicht weiter ins Gewicht fallen. Denen aber nach dem ”steter Tropfen höhlt den Stein” Prinzip eine heimtückische  Eigenschaft innewohnt. Indem sich nach und nach, und im Verlauf der Zeit, anfänglich noch so beglückende Beziehungen in regelrechte Notstandsgebiete verwandeln. In denen trotz Problemanalysen, Kompromissbereitschaft und Reparaturbemühungen dann irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem sich die

ernüchternde Gewissheit von einem einfach nicht-mehr-miteinander-auskommen-können verfestigt. Angesichts der Erfahrung nicht geliebt und noch viel weniger verstanden zu werden, könnte für Beziehungsleidende eigentlich alles geklärt und erledigt sein. Sehr oft kommt jedoch die niederschmetternde Einsicht in ein irgendwie miteinander-auskommen-müssen hinzu. Und zwar meistens aufgrund gemeinsam eingegangener, rechtlich bindender Verpflichtungen, Kinder, Schulden, oder sonstiger Umstände.

Gerade dieses voneinander-wegkommen-wollen, aber so ohne weiteres nicht-mehr-voneinander-wegkommen-können ist eine enorme Dauerbelastung. Die gerade vielen älteren Paaren in einer Mischung von Verzweiflung und Resignation deutlich im Gesicht geschrieben steht. Daß dennoch nur etwa die Hälfte aller Ehen mit Ach und Krach geschieden werden, muss erstaunlich anmuten. Nicht wundern darf man sich aber darüber, daß in besonders zermürbenden Zweisamkeiten verbitterte Abnutzungskämpfe ausgetragen werden. In denen

Hass und Rachefühle auf schreckliche “Endlösungen” hinarbeiten. Von denjenigen die ihren real existierenden Beziehungs-Höllen, die doch alle einmal als Liebe begannen, ein gewaltsames Ende bereiten, liest man täglich in der Zeitung. “Postbote erschießt Familie und sich selbst.”

Für jedes Beziehungselend sind selbstverständlich jeweils Gründe verschiedener Art und Bedeutung verantwortlich. Jedoch darf man sich dabei auch einen  mittlerweile vollkommen übersehenen Hinderungsgrund für längere Beziehungen in Erinnerung rufen. Man denkt  gemeinhin nicht daran, daß in menschheitsgeschichtlicher Hinsicht Lebensgemeinschaften privater Art zwischen Frauen und Männern noch nicht lange existieren. Die gern geglaubte Annahme vom Paar und der Familie als Keimzelle menschlicher Gesellschaften erweist sich bei näherer Betrachtung als falsch. Lebten Menschen doch selbst noch im Altertum weitgehend in promiskuösen Verhältnissen. In einer offenen gestalteten Praxis sexueller Kontakte mit ständig wechselnden Partnern, und, oder parallel mit mehreren Partnern.

Alle machten es fortwährend und spontan mit allen. Dauerhafte Beziehungen gab es nicht. Und das was heute als Liebe verstanden wird, war vor der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen in unserem Kulturkreis nur in besseren Kreisen bekannt. Der griechische Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot, (484 v. Chr. – 425 v. Chr.) der die alte Welt aus eigener Anschaung kannte, weiß von promiskuösen Zuständen zu berichten. “Wenn einer eine Frau beschlafen will”, sagt er angesichts lybischer Gepflogenheiten, “stellt er seinen Stock weg und vollzieht den Beischlaf mit ihr”. Das entspricht wohl eher nicht heutigen moralischen Standards serieller Monogamie. Bestimmt auch nicht das Verhalten von Frauen in einem Skytenvolk, die sich “neben ihrer Hausarbeit zu jedem Mann gesellen der ihnen zusagt”. (zit. nach G. Thomsen, Frühgeschichte Griechenlands und der Ägäis, 1980, S. 105)

Daß bei der Beschreibung solcher Zustände begeisterte Swinger leuchtende Augen bekommen ist unschwer nachvollziehbar. Jedoch will dabei auch bedacht sein, daß derartige Formen von Unkompliziertheit nach wie vor Verhaltensweisen prägen, für die so treffende Ausdrücke wie

“Seitensprung” oder “Fremdgehen” im Umlauf sind. Das sind Dinge die vielleicht nicht mehr unbedingt einen Scheidungsgrund darstellen, aber als zutiefst kränkend empfunden werden. Gar nicht so selten wird ja einem Partner auch gleich von Anfang an, in einem Anflug von Unsicherheit und Selbstzweifel, und nicht ohne vorweggenommene Verbitterung, ein Hang zur Untreue unterstellt. Was oft mit der dunklen Erkenntnis begründet wird, daß Menschen, vor allem aber Frauen, nun mal von Natur aus so sind wie sie sind. Da Schlager bekanntlich nicht lügen, und Schlagersänger noch viel mehr als Philosophen der “Wahrheit” verpflichtet sind, kann stellvertretend für hier infragekommende Vorwegnahmen an eine alten Schlager erinnert werden. In dem mit einem Unterton boshaften Wehklagens in eine gnadenlos waltende Naturkraft geblickt wird: “du kannst nicht treu sein…wenn auch dein Mund die wahre Liebe verspricht”. (Gus Backus 1962) Womit zusammengenommen Erfahrungen angedeutet sind, die zwar in psychologischer Hinsicht durchaus interessant, und auch für den Gesang wie geschaffen erscheinen, hier aber nicht weiter erörtert werden müssen.

Grundsätzlich ist jedoch bei allem Wohlwollen für die Gefühle der Liebe am realistischen Eingeständnis nicht vorbeizukommen, daß eigentlich niemand so richtig für dauerhafte Beziehungen geschaffen sein kann. Eben aufgrund einer weit in Vorzeiten zurückreichenden, und nach wie vor in unseren “Genen” liegenden promiskuösen Vergangenheit, zu der im Vergleich unsere doch reichlich verworrene Geschichte mit der Liebe wie eine Bruchteilsekunde wirkt.

Warum Liebespaare, Liebespaare sind. Vom Upload in die mimetischen Settings der Liebe

Wir können gemeinhin auf Anhieb sehr genau und wortreich sagen, weshalb wir diese oder jene Person hassen. Vergleichsweise stockend und verlegen aber wird die Rede wenn die Frage beantwortet werden soll, warum wir mit jemand eine Beziehung aufrechterhalten. Darüber muss erst einmal länger, und meistens erfolglos nachgedacht werden. Jedoch selbst die Beweggründe die zur Beziehung führten erscheinen oftmals rätselhaft, und im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar. Natürlich wird gesagt, daß gegenseitige Sympathie und Attraktion im Vordergrund standen. Daß es uns die Persönlichkeit des anderen antat, und ein Bedürfnis nach fortgesetzter Nähe aufkommen ließ. Daß es darum ging jede Distanz zwischen sich aufzuheben, um am “Du zum Ich” zu werden. All das und dergleichen mehr stimmt auch. Aber nur teilweise! Denn der eigentliche Anlass weshalb wir uns nach einem zu uns passenden Partner sehnen und danach Ausschau halten, hat damit wenig zu tun. Wohl aber mit Imitation bzw. Nachahmung. Was anhand eines kurzen Blicks auf einen philosophischen Begriff sichtbar wird.

Das alte griechische Wort Mimesis ist in ästhetischen Theoriebildungen gebräuchlich, und bedeutet vereinfachend gesagt Nachahmung. Gemäß seiner Ideenlehre war für Platon jede geschaffene Sache das mimetische, nachahmende Abbild einer Idee. (Politeia, 598b) So ist beispielsweise jedes errichtete Haus eine Nachbildung der Idee des Hauses, ein Boot die Nachbildung der Idee des Boots usw. Auch allem was schön ist wohnt dementsprechend immer die Idee des Schönen inne. Diese Andeutungen genügen vollauf um daraus einen überzeugenden Zugang zur schönen Welt der Liebespaare abzuleiten.

Tatsächlich ist die Liebe an sich schon etwas schönes. Aber in ihrer ganzen Schönheit erscheint die Liebe erst auf unüberbietbar schön anmutenden Bildern von der Liebe. Denn so sehr die Schönheit der Liebe auch unaufhörlich besungen wird, in keinem Phänomen tritt sie schöner hervor als auf Bildern von der Liebe. So brutal unschön es auf der Welt auch zugeht, die Gattung der glücklich Liebenden ist in visueller Hinsicht dennoch tonangebend. Es handelt sich bei diesen Bildern um einen regelrechten Liebespaar-Bild Tsunami, vor dessen Schönheitswucht es kein Zurück gibt. Alle kennen diese schönen Bilder. Man hat sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit gesehen.

Etwa das Bild von paradiesisch schöner Zweisamkeit an einem einsamen Strand irgendwo in der Südsee. Oder das Bild von einer romantischen Kahnfahrt auf einem Fluß. Vielleicht mit Schwänen um den Kahn herum die ihre Hälse ins Wasser strecken, und einem malerischen

Dörfchen im Hintergrund. Nicht wegzudenken aus dieser Bilderflut sind Bilder von unendlich glücklich lächelnden Paaren auf einer blühenden Wiese, oder vom romatischen Dinner zu zweit.

Was wollen diese Bilder sagen? Worin besteht ihre Funktion? Trotz ihrer ermüdenden Allgegenwart und Immergleichheit werden derartige Bilder bewusst und unbewusst als handlungsempfehlende Vorbilder für die schöne Welt der Liebespaare zur individuellen Nachahmung wahrgenommen. Und sie erfüllen ihre Vorbildfunktion dadurch, indem mit individuellen Handlungsstrategien erwiesenermaßen unaufhörlich und überall ein Upload in die Welt dieser schönen Bilder angestrebt wird. Das Wort “Upload” heißt wörtlich übersetzt “Hochladen”. Durch einen Upload können Datenpakete vom eigenen Rechner oder Smartphone auf ein anderes Gerät oder ins Internet übertragen werden. Ein typischer Upload ist beispielsweise das Veröffentlichen eines Selfies auf Facebook.

Das heißt; nicht weil wir einen Partner für die Liebe suchen, sind wir auf Partnersuche, sondern auch, und oftmals bestimmt nur deshalb, um uns als individueller Upload in den mimetischen Settings der Liebe zu bewegen. Womit eine Erklärung für jene eigentümliche Leere gegeben wäre, in die Paare nach einer anfänglichen Sturm und Drang Periode auratisch umhüllt sind. Die mimetischen Settings der Liebe sind ja lediglich eine Form. Der Inhalt, die Liebe, muss von den Liebenden in langen Gesprächen erst zusätzlich konstruiert werden. Konstruktionsfehler lasen sich dabei nicht vermeiden. Mit unerfreulichen Konsequenzen die schon erwähnt wurden. Dennoch gibt es heute großartige Möglichkeiten Partnerschaften einzugehen, die garantiert glücklich und harmonisch verlaufen. Es muss freilich nicht immer ein Mensch sein der einen glücklich macht. Im Gegenteil, der innige Umgang, um nicht zu sagen beglückende Intimverkehr mit käuflichen Dingen wie schönen Autos, Smart Phones, oder teuren Uhren ist längst schon eine zeitgemäße Alternative zu einer Art von Liebe wie man sie bisher kannte.

To be continued

 

 

 

 

 

 


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