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Dummheit ist ein menschlicher Normalzustand

Dummheit, was ist das eigentlich? So zu fragen ist dumm! Wer im Tonfall der Gelehrsamkeit von Dummheit zu reden beginnt, möchte nämlich den Eindruck erwecken mehr als andere zu wissen, und daher klüger als andere zu sein. Was eine provozierende Überheblichkeit darstellt, deren Nähe zur Dummheit schon seit jeher erkannt wurde. Von sich selbst eingenommene Kluge können nämlich den Beweis für großspurig in Aussicht gestellte Klugheit oftmals nicht erbringen. Weshalb sie dann letztlich völlig zu Recht als Dumme verlacht werden.

Andrerseits wird tatsächliche Klugheit häufig als lächerliche, ärgerliche oder geradezu bemitleidenswerte Form von Dummheit empfunden. Und vom Publikum dementsprechend durch den Dreck gezogen. Wirklich kluge Menschen unterlassen es daher im Beisein anderer als “Klugscheißer” aufzutreten. Das kommt nicht gut an. Und um unter Dummen gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen klug zu sein, ziehen Kluge es vor, sich mittels kluger Kniffe dumm zu stellen. So gelang es dem griechischen Philosophen Sokrates (469 v. Chr. – 399 v. Chr.) mit dem scheinbar dummen, tatsächlich aber unüberbietbar klugen Satz: “Ich weiß, dass ich nichts weiß”, seinen aufgeblasenen, vermeintlich allwissenden Anklägern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Von Dummheit darf nicht gesprochen werden ohne vorher darauf hinzuweisen, dass in unserer Gesellschaft überhaupt kein Bedarf an Klugheit besteht. Wohl aber an Menschen, die je nach

Standpunkt entweder dumm genug oder gerade mal so klug sind um möglichst effektiv jene Tätigkeiten zu verrichten, für die sie am Ende des Monats ihr Geld bekommen. Mehr wird nicht verlangt. Mehr ist auch nicht unbedingt erwünscht.

In herkömmlicher Sichtweise ist Dummheit ein Mangel an Intelligenz. Der es infragekommenden Menschen schwer, oder gar unmöglich macht, aus ihren Wahrnehmungen die richtigen Schlüsse

zu ziehen. Es handelt sich dabei um eine wie auch immer zustandegekommene Schwerfälligkeit im Auffassungs- und Urteilsvermögen. Oder, um es moderner zu sagen, Dummheit ist ein geistiger Zustand, in dem Informationen aus der Umgebung weder richtig aufgenommen, noch richtig verarbeitet werden können. Dumme scheinen daher im Gegesatz zu erhellten Klugen im Dunkeln zu stehen.

Was aber nicht mit Idiotie verwechselt werden darf. Bei der es sich um eine schwere geistige Behinderung handelt, die ständige Betreuung erfordert. Dennoch besteht zwischen der Dummheit der Deppen, und der Hilflosigkeit von Idioten, im Volksmund Volldeppen genannt, ein geistiges Verwandtschaftsverhältnis. Das dann zutage tritt wenn man sich daran erinnert, dass das griechische Wort idiotes keine Idioten im heutigen Sinne bezeichnet. Mit idiotes war im Alterum vielmehr eine Privatperson gemeint, die sich nur ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte, und nicht am öffentlichen Leben teilnahm. Das heißt, dass Idioten gemäß dieser Bedeutung nur in ihrer eigenen Welt leben.

Da niemand sich selbst für dumm hält, auf jeden Fall aber nicht so dumm wie  andere, herrscht weitgehend Einstimmigkeit darüber, dass so wie Idioten auch Dumme in ihrer “eigensinnigen” Welt leben. Die kopfschüttelnden Beobachtern als geistige Trümmerlandschaft erscheint. In der die Dummen unentwegt Bruchstücke aus einer großen Konfusion zum Weltbild ihrer Dummheit zusammenfügen.

Wer aber ehrlich ist wird nicht umhin können sich angesichts der Dummheit anderer eine unbequeme Wahrheit einzugestehen. Und zwar die, dass es mit unserer eigenen Klugheit nicht weit her ist. Auch wenn wir beispielsweise nicht so dumm sind um zu glauben Bill Gates hätte ein Virus in die Welt gesetzt, fällt es verdammt schwer Verschwörungsgläubigen von dieser dummen Annahme abzubringen. Zumal Verschwörungsgläubige vorgebrachte Zweifel an ihrem Glauben mit Dummheit gleichsetzen. Im Grunde genommen unterscheidet uns daher nichts von denjenigen die wir für dumm halten. Dummheit ist so gesehen kein Ausnahmefall, wohl aber ein menschlicher Normalzustand.

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Unsere Welt ist ein Narrenschiff, das vor lauter Dummheiten untergeht

Man könnte angesichts dieses Normalzustands glauben, jemand habe dafür gesorgt die Bäume der Erkenntnis nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Zudem darf die verteufelte Wirkung jener Früchte bezweifelt werden, die Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis pflückten, und verbotenerweise verzehrten. Sieht es doch danach

aus, als ob der ihnen zugeschriebene Erkenntnisgewinn ausblieb. Die Aufregung Gottes war somit umsonst. Scheint doch die Menschheit seit ihrer mythologischen Vetreibung aus dem Paradies nicht klüger, sondern zunehmend dümmer geworden zu sein.

Falls Tiere sich etwas denken könnten, wären sie angesichts unseres Tuns und Treibens genötigt anzunehmen, dass der Mensch ein Tier ist, das seinen Verstand verloren hat. In der Tat verläuft die Geschichte der Menschheit, wie gerne geglaubt wird, keineswegs aus primitiven Anfängen ins Reich der Vernunft. Im Gegenteil. Trotz technischer und wissenschaftlicher Errungenschaften ist unsere lange Geschichte nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Dummheiten. Die zusammengenommen einen Geisteszustand hervorbrachten, der die Menschheit wortreich, aber dennoch hilflos und wie angewurzelt vor ihren selbstgemachten Problemen stehen bleiben lässt.

Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass der angsteinflößende Zustand unseres Planeten verändert werden kann. Schließlich herrscht im Chaos einander  widerstrebender Interessen und Standpunkte die Meinung vor, dass auf der Welt eigentlich alles gut sein könnte, wenn einem

solchen Ziel nicht ständig grenzenlose Dummheit anderer entgegengesetzt wäre. Was wiederum nichts anderes bedeuten kann, als dass wir uns irgendwo in den Weiten des Weltraums auf einem vor lauter Dummheit untergehenden Narrenschiff befinden.

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Alles verändert sich. Auch die Dummheit ist nicht mehr das, was sie einmal war

Die Situation ist nicht zuletzt auch deshalb so bedenklich, weil auf unserem Narrenschiff eine historisch neuartige Form von Dummheit am Ruder ist. Zwar liebten Menschen es schon immer, lieber von Lügen geküsst, als von Wahrheiten geschlagen zu werden. Die Wahrheit tut oft weh, während Lügen eine Wohltat für geschundene Seelen sein können. Lügner standen daher schon immer höher im Kurs als Aufklärer. Die Verfasser der beiden “großen” Bücher der Menschheit, Bibel und Koran, verstanden es sich dieses Prinzip zunutze zu machen. Aber derartiges zu sagen ruft Empörung hervor. Was wiederum unmittelbar zur neuartigen Form der Dummheit führt.

Sie kommt ins Blickfeld wenn man bedenkt, dass heute in öffentlichen Debatten nicht mehr mit eigenständigen Denkleistungen, sondern nur noch mit Gefühls- und Gesinnungsmoral gepunktet wird. Das hat den Vorteil, dass mit Gesten zustimmungsheischender Empörung, Wut und Betroffenheit über die eigene Denkfaulheit hinweggetäuscht werden kann. Wer sich empört, braucht ja nur an das zu denken was empört. Viel spricht dafür, dass Empörungshaltung zur dominierenden Geisteshaltung herangereift ist. In der mit moralischer Empörung alles als geistlos abgetan wird, was ihr widerspricht. Eine Geisteshaltung, die gleichzeitig jedoch auch ihre Dummheit als empörter Ratlosigkeit verpackt.

Es wird dann etwa gefragt, weshalb Amerikaner so dumm sein können einem vor Dummheit nur so strotzenden Dummkopf wie Donald Trump wahre Wunder zutrauen. Die Antwort darauf ist

ernüchternd. Politiker haben sich schon immer bestens darauf verstanden Menschen mit Dummheiten zu füttern. Bemerkenswert am 45. Präsidenten der USA ist jedoch die Tatsache, dass er von Anhängern ganz offen als Heilsgestalt der Dummheit bejubelt wird. Worüber sich die Empörten empören. Dabei allerdings nicht verstehen, weshalb es überhaupt so weit kommen konnte.

Als Populist verschafft Trump seinen Anhängern die Genugtuung, sich himmelhoch jauchzend um seine  Widerstandsprogramme gegen jede Art von Vernunft scharen zu dürfen. Darüber regen sich die Klugen auf. Empörte Kluge übersehen dabei allerdings, dass Dummheit schon längst nicht mehr als Makel gilt. Dumm unter Dummen zu sein ist heute ein regelrechter Wohlfühlfaktor. Das ist der Grund weshalb Corona-Leugner, Rechtsradikale, Linksextreme, Impfgegner, Verschwörungsgläubige und andere Durchgeknallte den Schulterschluss suchen. Dabei wird nichts geringeres als der Endsieg der Dummheit über die Vernunft herbeigefiebert.

Selbst auf den eisigen Höhen des Mount Everest. Die dicht hintereinander herstapfenden

Hundertschaften, die sich jedes Jahr des höchsten Bergs der Welt quälen, sind das Sinnbild für einen unbeugsamen Siegeswillen, der sich dem absoluten Höchstmaß an Dummheit verpflichtet fühlt.