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Mit dem richtigen Durchblick kommt die Wahrheit ans Licht!

Wie schon so oft zuvor, ist auch im Jahr 2020 der Teufel an seinen finsteren Machenschaften erkannt worden. Der Teufel hat noch nie kleine Brötchen gebacken. Deshalb strebt er in Gestalt des unermesslich reichen Bill Gates nichts geringeres als die Weltherrschaft an. Die Vorgehensweise ist wahrhaft teuflisch. Zuerst ein tödliches Virus auf die Menschheit loslassen, um ihr daraufhin unter der Maske des Wohlwollens einen Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Der aber Mikrochips enthält, die in Verbindung mit hocheffizienter 5G Technologie die totale Kontrolle über die Menschheit ermöglichen. Das ist die Wahrheit! Und weil es die Wahrheit ist, will er sie geheimhalten. Seine Bundgenossen in Politik und Medien hat er deshalb veranlasst alles zu unternehmen, um die Wahrheit als abstruse Verschwörungstheorie abzutun. Die Liebe zum Licht der Wahrheit lässt sich jedoch nicht so einfach aus der Welt schaffen. Jede Durchdringung der Dunkelheit setzt allerdings den Griff zur richtigen Brille voraus. Um auch dort wo man sie nicht vermutet Dinge zu erhellen, die im Sinne ihrer Erfinder geheim bleiben sollen.

Für viele ist Stanley Kubricks “The Shining” nichts weiter, als einfach nur ein richtig guter Horrorfilm. Wer ihn gesehen hat wird glauben, er handle von einem Schriftsteller, der mit seiner Frau und seinem Kind in ein abgelegenes, und für den Winter geschlossenes Hotel zieht. Um als Hausmeister nach dem Rechten zu schauen. Hauptsächlich jedoch um im menschenleeren Hotel ungestört an einem neuen Werk arbeiten zu können. Dort aber in der tief verschneiten Abgeschiedenheit bald vom Wahnsinn befallen wird, und Frau und Kind mit einer Axt attackiert. Man kann den Film durchaus so sehen.

Nun gibt es aber eine “The Shining” Gemeinde, die für diese Sichtweise nur ein müdes Lächeln übrig hat. Für sie handelt der Film von etwas ganz anderem. Und zwar von der Ausrottung nordamerikanischer Indianer, vom Holocaust und der “gefälschten” Mondlandung. Was erstaunlich anmuten muss, da im Film weder Indianer noch Nazis, und auch keine Astronauten in Erscheinung treten. Wie ist es nur möglich auf so was zu kommen? Hören wir, Indianer und Nazis auslassend, wie für die Sache mit der Mondlandung argumentiert wird.

Dass am 21. Juli 1969 im Verlauf der Apollo 11 Mission zwei Amerikaner den Mond betraten, wird bekanntlich nach wie vor ernsthaft bezweifelt. Unerschütterlich halten

auch sonst vernünftige Menschen an der Meinung fest, die Landung auf dem Mond habe nicht wirklich stattgefunden, sondern wäre im Auftrag der amerikanischen Regierung in einem geheimen CIA Studio inszeniert worden. Was allein schon am Flattern der aufgestellten Fahne erkennbar sei. Die normalerweise schlaff an ihrem Stab hängen müsste, da es auf dem Mond noch nicht einmal das leiseste Lüftchen gibt das sie bewegen könnte. Und damit zu Stanley Kubrick.

Wissende sind fest davon überzeugt, dass er im Auftrag der amerikanischen Regierung die Fälschung inszenierte. Als Erschaffer des großartigen Weltraumepos “2001” hätte er die dafür notwendigen künstlerischen Voraussetzungen mitgebracht. Kubrick, so die These, habe diese Auftragsarbeit eher widerwillig ausgeführt, und wäre danach jahrelang von einem schlechten Gewissen geplagt gewesen. Bis er dann bei Dreharbeiten zu “The Shining” die Möglichkeit wahrnahm, wenigstens gegenüber seinen scharfsinnigsten Bewunderern mit einigen eindeutigen Hinweisen sein Gewissen zu erleichtern. Weshalb sonst, so heben sie hervor, sollte Danny auf

einem Teppich stehen, dessen Muster die Apollo Startrampe erahnen lassen? Außerdem trägt der Junge in dieser Szene einen Pullover mit der Aufschrift “Apollo 11”. Und schließlich; was hat es mit dem ominösen Hotelzimmer auf sich, das Danny nicht betreten darf, und in dem schreckliche Dinge passieren? Es hat die Nummer 237. Kann diese Nummer etwas anderes sein, als ein Fingerzeig auf das Geheimstudio, in dem der Meister sich als künstlerischer Übervater aller modernen Fake News betätigte? Beträgt doch der Abstand von der Erde zum Mond etwa 237 000 Meilen. Überzeugend! Oder etwa nicht?

Ein mir bekannter Biologe kennt weder Kubricks Horror-Klassiker noch damit verbundene Interpretationen. Dennoch hält er die Mondlandung für eine Studio-Produktion. Es gibt nichts was ihn von dieser Meinung abbringen könnte. Auch dann nicht wenn man ihm zu bedenken gibt, dass dies zwar technisch möglich wäre, jedoch aufgrund des großen personellen Aufwands nie und nimmer geheim bleiben könnte. Er behauptet dann, dass man infragekommende Leute, die bei der Sache mitwirkten, schon längst umgelegt hätte. Was ja auch mit den Männern geschehen wäre, die über die wahren Hintergründe zur Ermordung John F. Kennedys Bescheid wussten.

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Verschwörungstheorien und der Hang zur Realitätsverdrossenheit

Nach allem was man gelegentlich von ansonsten ganz normalen Leuten zu hören bekommt, sieht es ganz danach aus, als ob noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit sich so viele dunkle Grüppchen gegen uns verschworen haben. Dass seit einigen Jahren nur noch Energiesparlampen erhältlich sind, deren deprimierend kaltes Licht jedem noch so gemütlichen Raum den Charme einer Gefängniszelle aufzwingt, ist das Werk eines geheimdienstlichen Lampenkartells. Das die Lampen mit Inhaltsstoffen versehen hat, die wie leuchtende, von der Decke herabhängende  Psychopillen funktionieren. Die Pharmaindustrie selbst hält wirksame Mittel gegen Krebs und andere schlimme Krankheiten böswillig unter Verschluss, um so viel wie möglich an wirkungslosen Medikamenten zu verdienen. HIV wurde in geheimen

Labors entwickelt um amerikanische Homosexuelle und Amerikaner afrikanischer Herkunft auszurotten. Wie ja auch die Terroranschläge vom 11.9.2001 von der damaligen amerikanischen Regierung geplant wurden, um im Nahen Osten Krieg zu beginnen.

Wer an eine Verschwörungstheorie glaubt, neigt dazu auch an andere zu glauben. So glaubt der vorhin erwähnte Bekannte neben der “gefälschten” Mondlandung an die Existenz der sogenannten “Protokolle der Weisen von Zion”. Wobei es sich nach der Überzeugung von Insidern um geheime Niederschriften handelt, die detailiert die Vorgehensweise einer jüdischen Weltverschwörung dokumentieren. Obwohl diese angeblichen “Protokolle” schon 1921 als Fälschungen entlarvt wurden, werden sie nicht nur von Antisemiten nach wie vor für bare Münze genommen. Auf die Frage, weshalb er an ihren Wahrheitsgehalt glaubt, gab der Bekannte eine Antwort, die den psychologischen und auch philosophischen Kern aller Verschwörungstheorien schlagartig erhellt. Gerade die Tatsache, sagte er, dass man sie als Fälschungen darstelle, würde ja zweifellos ihre Richtigkeit beweisen.

Diese Antwort entspricht folgender Logik: “Ich klage an. Der Angeklagte leugnet. Also sind meine Anschuldigungen zutreffend.” Das heißt: “Was Wahrheit ist bestimme ich!” Als Wahrheit wird gemeinhin eine Aussage gehalten, die mit der Realität und Tatsachen übereinstimmt. Grundsätzlich aber ist Wahrheit etwas ganz anderes. Und zwar immer das, was zur Wahrheit “ernannt” wird. Wer an ihre “Ernenner” glaubt, glaubt auch an ihre “Wahrheiten”. Selbst wenn es in realitätsbezogenen Sichtweisen die größten Lügen sind.

Aufdecker von Verschwörungen erheben den Anspruch, den wahren Kern einer Geschichte oder eines Ereignisses nicht nur zu kennen, sondern auch den Mut aufzubringen die Wahrheit zu sagen. Wobei beunruhigende Beziehungen zwischen Verschwörungstheorien und dumpfem Populismus zutage treten. Donald Trump behauptet, dass sich seine politischen Widersacher nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen die Demokratie als Staatsform, ja sogar gegen das amerikanische Volk verschworen haben. Er aber, Trump, so verkündet er seinen Anhängern, würde die verschwörerischen Machenschaften aufdecken, und auch sonst nichts unterlassen

um Lügner und Feinde Amerikas zu bekämpfen. Dass ihm nur bildungsferne Schichten zujubeln ist ein Irrtum.

Das furchteinflößend Absurde an Trump und dem Jubel seinen Anhängern erklärt sich durch die verschwörungstheoretische Vorliebe für eine Abkehr von der Realität, bei gleichzeitiger Erschaffung der eigenen, “wahren” Realität. Der Schlüssel zum Verständnis für Verschwörungstheorien ist daher in Realitätsverdrossenheit zu sehen. Die ja nebenbei bemerkt auch im Ursprung religiöser Gefühle steckt. Halten wir aber fest, dass alle die an Verschwörungstheorien glauben bei wohlwollender Betrachtung einen wenn auch verschütteten, und auf Abwege geratenen, doch gleichwohl klar erkennbaren Hang zu Kreativität bekunden. Kreativität läuft darauf hinaus Dinge anders zu sehen, und anders zu machen. Vereinfachend gesagt wollen Kreative schlauer als andere sein. Und wer im Licht der Energiesparlampen etwas anderes zu sehen glaubt als nur elektrisches Licht, will eben nicht so dumm sein wie die Deppen von nebenan, denen auch bei Festtagsbeleuchtung der Durchblick fehlt.

Verschwörungstheorien sind also nicht, wie immer behauptet wird, eine Abkehr vom Zeitalter der Aufklärung. Sie sind im Gegenteil aufklärerische Gebilde, die mit dem Licht der Wahrheit jene Dunkelheit erhellen wollen, die in verschwörerischer Absicht über die Menschheit gelegt wurde. Überflüssig zu sagen, dass man mit Verschwörungstheorien im Gepäck unter Gleichgesinnten besser lebt, als in der Einsamkeit einer unaufgeklärten Mehrheit.

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